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RICHARD
PANZENBÖCK
L'OCCASIONE
FA IL LADRO
music GIOACHINO ROSSINI
libretto LUIGI PRIVIDALI
KlassikFestival Schloss Kirchsstetten
Premiere 30.07.2025 | Runtime 2h, one interval
TEAM
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüm
Licht
Maske
Intendanz
Produktionsleitung
Korrepetition & musik. Assistenz
Regieassistenz
Probenbetreuung Wien
Pressebetreuung
Festivalbüro
HOOMAN KHALATBARI
RICHARD PANZENBÖCK
PETRA FIBICH-PATZELT
ALMASA JERLAGIC
MARTIN KURZ
SUSANNE RAUHERZ
STEPHAN GARTNER
EVA DRNEK
MARIA BACHMANN
VERONIKA GRAF
MARIA HORVATH
ANDREAS ANKER
MELANIE FRÖSCHL
BESETZUNG
Don Eusebio, Onkel Berenices
Berenice, Braut Albertos
Conte Alberto
Don Parmenione
Ernestina
Martino, Diener Don Parmeniones
Giacomo, Diener Conte Albertos
Orchester
Konzertmeister
ANDRÉS ALZATE GAVIRIA
ANA CVETKOVIĆ
MARCO TRESPIOLI
EMILIO MARCUCCI
SEVANA SALMASI
ANTOINE AMARIUTEI
THEO COLARUSSO
VIRTUOSI BRUNENSES
KAREL MITÁS
KRITIK
DIE PRESSE, Josef Schmitt (31.07.2025)
Rossini im Wilden Westen: Gelungene Premiere in Kirchstetten
Beim Festival Kirchstetten erlebt man heuer im barocken Festsaal Rossinis „Occasione fa il ladro“.
Seit zehn Jahren widmet sich das Opernfestival Kirchstetten dem italienischen Belcanto, speziell den Werken Donizettis und Rossinis, die Intendant Stephan Gartner mit dem Spielort in Beziehung bringt. „Die Klarheit und Feinheit der Belcanto-Musik verlangt nach Nähe, nach Konzentration auf Stimme und Ausdruck“, sagt er: „Genau das bietet der Maulpertsch-Saal!“ Sein Ziel, auch für die nächsten Jahre: „Keine kulturelle Massenabfertigung, sondern an sieben bis acht Vorstellungsabenden hochwertige Opernabende – ein Musiktheatererlebnis, zum Greifen nah!“
Die Jubiläumspremiere galt nun Rossinis Farce „L’occasione fa il ladro“ (zu Deutsch: „Gelegenheit macht Diebe“). Regisseur Richard Panzenböck und Dirigent Hooman Khalatbari nutzten die Chance, mit dem jungen Solistenensemble auf wenigen Quadratmetern ein Feuerwerk an Spiel- und musikalischer Leidenschaft zu entzünden. Gespielt wurde inmitten des Publikums.
Schnellschuss im Wilden Westen
Rossini, gerade dem Teenager-Alter entwachsen, komponierte seine „Burletta per Musica“ (musikalische Burleske) innerhalb von elf Tagen. Die extrem kurze Entstehungszeit sorgte bei der Uraufführung für Irritationen, was der Verbreitung des Werks aber nicht geschadet hat. An der Menge der erhaltenen zeitgenössischen Partitur-Kopien lässt sich erkennen, dass es sich einst um ein höchst populäres Stück gehandelt hat, obwohl der junge Komponist nicht vor ungewöhnlichen Lösungen zurückschreckte. Er verzichtete auf die übliche Ouvertüre und eröffnete die Oper mit einer instrumentalen Einleitung, die direkt mit der ersten Nummer der Oper verbunden ist, einer Gewittermusik, die in der Eile aus „La pietra del paragone“ übernommen wurde.
Richard Panzenböck lässt die Oper nicht, wie im Libretto beschrieben, in Neapel spielen, sondern verlegt die – im Übrigen kaum veränderte Handlung – in den Wilden Westen, dessen Flair ebenso die stimmigen Kostüme von Almasa Jerlagic und Petra Fibich-Patzelts für Kirchstetten überaus üppige Bühnenausstattung (zwei Sessel, ein Tisch, zwei Kakteen, ein ausgestopftes Murmeltier, jede Menge Kerzen) heraufbeschworen. Am Happy End gab es nicht nur zwei, sondern drei Paare, auch die Bediensteten durften zueinanderfinden. Ausgeprägte Situationskomik ließ tatsächlich auch diese Produktion zum hautnahen Musiktheatererlebnis werden.
Brillantes junges Ensemble
Rossini-Debütantin Ana Cvetkovic ließ als Berenice eine strahlend kraftvolle Stimme mit offenem klarem Timbre in den mittleren und oberen Stimmlagen hören, die kaum Schärfen bei hohen Forte-Tönen kennt und in der unteren Lage satt gefärbt ist. Sie zeigte mühelose Koloraturen und Spitzentöne sowie spürbare Freude an der geforderten Situationskomik.
Andrés Alzate Gaviria, diesmal nicht wie zuletzt immer der Rossini-Lover, sondern Berenices Onkel Don Eusebio, punktete wieder mit breiter Tiefe und Mittellage, aber metallisch knalligen Spitzentönen. Emilio Marcucci pflegte als Don Parmenione, der Dieb, der seine Gelegenheit nutzt, sein Markenzeichen: In perfekter Buffo-Deklamation absolvierte er mit seinem dunkel gefärbten Bassbariton eine riesige Anzahl von Silben in kürzester Zeit.
Sevana Salmasi, eine hinreißende Komödiantin, ließ als Ernestina einen sicheren Mezzo hören, Marco Trespioli spielte als quirliger Conte Alberto seine Musical-Erfahrung aus und demonstrierte in der großen Arie metallisch klingende Höhensicherheit. Brillant die beiden Diener: Antoine Amariutei mit dunklem Bass-Timbre und Theo Colarusso (in einer hinzuerfundenen Partie), ohne Worte, aber mit akrobatischen Einlagen.
Die Virtuosi Brunensis brachten unter Hooman Khalatbari Rossinis musikalische Beschleunigungselemente wirkungsvoll zur Geltung. Das überaus dynamisch dirigierte Ensemble am Schluss der achten Szene entließ die Zuschauer animiert in die – bei Rossini gar nicht vorgesehene – Pause. Lautstarker Jubel, erst recht nach dem Finale.
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